HORIZONT
Unsere Sache, was hier läuft.
Die KNSK-Chefs Detmar Karpinski und Werner Knopf über Lage und Image der Agentur sowie das Verhältnis zu Gesellschafter BBDO.

Von KNSK hat man schon mal mehr gehört.
Woran liegt's: Haben Sie zu viel zu tun oder
läuft es gerade nicht gut?

Detmar Karpinski: In aller Bescheidenheit, aber
KNSK hat in den letzten zwölf Monaten folgende
Etats gewonnen: DBV, Bundesumweltministerium,
Chrysler International, "Petra", Herlitz,
"Die Zeit" und "Zeit Magazin", Immodium
akut, Ruhr 2010 und ganz aktuell "Business
Punk" von Gruner + Jahr. Außerdem haben wir
Axa verteidigt - den zweitgrößten Versicherer
der Welt.

Da gratuliere ich herzlich! Die Wirtschaftskrise
bekommen Sie also nicht zu spüren - anders als
andere Agenturen.

Karpinski: Natürlich merken wir auch was.
Aber im Vergleich zu anderen geht es uns in der
Tat ganz gut. Ich weiß, dass in Hamburg von
den großen Agenturen ganze drei keine Mitarbeiter
entlassen haben. Und von einer weiß ich
sogar, dass sie Leute eingestellt hat: KNSK.

Wie machen Sie das? Sie leben mit Ihrer Agentur
ja nicht auf einer Insel.

Werner Knopf: Noch mal, die Krise hat auch
uns getroffen. Wir sind ja in einigen Problem-
branchen unterwegs: Auto, Finanzdienstleister,
Medien, Chemie. Klar hat es da Etatkürzungen
gegeben. Aber mit unserem Neugeschäft konnten
wir das mehr als kompensieren. Wir wachsen
und haben deshalb zehn Leute eingestellt.
Um einen internationalen Etat wie Chrysler betreuen
zu können, bislang nicht unbedingt eine
Spezialität von KNSK, braucht man Mitarbeiter,
die das können. Die haben wir geholt.

Welche Rolle spielt für den Chrysler-Gewinn,
dass KNSK eine BBDO-Beteiligung ist? Chrysler
ist weltweit einer der großen Kunden des
Netzwerks.

Karpinski: Klar mussten wir eine BBDO-Agentur
sein. Viel wichtiger waren aber die positiven
Erfahrungen, die der Kunde in der bisherigen
Zusammenarbeit mit uns gemacht hat. Chrysler
will sein weltweites Geschäft ausbauen. Deshalb
hat sich Chrysler International in Stuttgart
angesiedelt, um von hier aus die Märkte außerhalb
Nordamerikas zu steuern. Das geht natürlich
am besten mit einer Agentur, die man kennt
und die vor Ort ist.

Mit Sparmaßnahmen hat die Bündelung bei
KNSK nichts zu tun?

Karpinski: Es ist doch selbstverständlich, dass
Chrysler im Zuge der Restrukturierung auch
geguckt hat, wo man Kosten sparen kann. Und
in dem Moment, wenn solch ein Etat gebündelt
wird, haben die lokalen Agenturen in den einzelnen
Märkten natürlich weniger Income. Aber
wir gehen davon aus, dass Chrysler wieder Gas
geben wird. Die US-Regierung investiert nicht
8 Milliarden Dollar, um sich dann schlafend zu
stellen.

Welche Rolle spielt für diese Etatvergabe - und
in der aktuellen wirtschaftlichen Großwetterlage
generell - dass Sie als langjährige Agenturchefs
über reichlich Erfahrung verfügen?

Karpinski: Ich habe schon während der letzten
Krise 2003 gesagt: In guten Zeiten wird gerne
mal der eine oder andere Halligalli-Shop ausprobiert.
Da gönnen sich manche Unternehmen
ein Experiment. In schwierigen Zeiten will man
vor allem Substanz. Davon profitieren wir. Diese
Auffassung vertrete ich noch heute.

Knopf: Wir akquirieren bis heute nicht - auch
nicht in der Krise. Es gibt kein Unternehmen,
das unaufgefordert eine Akquise-Mappe oder
eine DVD von uns auf den Tisch bekommt. Das
haben wir noch nie gemacht und das werden wir
auch nie tun. Wir haben auch noch nie aktiv PR
für uns gemacht. Aber das halte ich im Nachhinein
für einen Fehler. Neugeschäft kommt auch
durch den Bekanntheitsgrad einer Agentur zustande.
Also reden wir in Zukunft mehr über
KNSK.

Wenn die Geschäfte so gut laufen, wie Sie sagen,
dürften Sie das doch gar nicht nötig haben.

Knopf: Doch. Damit nicht wieder wie bei Ihnen
der falsche Eindruck entstehen kann, bei uns sei
nichts los.

Wie sieht das denn Ihr Minderheitsgesellschafter
BBDO, zu dem Sie ja nicht immer das beste
Verhältnis hatten?

Knopf: Wir haben und hatten immer ein gutes
Verhältnis zu Anton Hildmann, was in der Vergangen-
heit bei anderen CEOs nicht immer der
Fall war. Klar ist aber auch: Das Geschäft führen
wir. Da mischt sich keiner ein. Wir haben keine
Berührungspunkte. Es ist unsere Sache, was hier
läuft. Der entscheidende Punkt ist: Warum sind
die Kunden da? Nicht wegen eines Türschilds
oder wegen BBDO, sondern wegen uns.

Karpinski: Genau das ist unser großer Vorteil.
Es gibt keinen einzigen Kunden, der nicht von
einem Geschäftsführer betreut wird. Da sind die
großen Networks im Hintertreffen. Die können
nicht überall mit der ersten Garde präsent sein
und schicken dann oft die zweite Reihe.

Apropos erste Garde: Wie finden Sie den designierten
CEO von BBDO Frank Lotze - auch
wenn für Sie Chairman Anton Hildmann zuständig
bleibt?

Knopf: Wir kennen Herrn Lotze noch nicht.
Aber er kann uns gerne mal besuchen. Wenn wir
ihm helfen können, tun wir das natürlich gerne.

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass
Ihnen die Beteiligung von BBDO nicht viel bedeutet.
Kann das sein?




Karpinski: Ihr Eindruck täuscht. Wären wir keine
BBDO-Beteiligung, hätten wir nicht den
Chrysler-Etat.

Ein Rückkauf der restlichen Anteile war also nie
ein Thema?

Knopf: Nein, weil es schon rein wirtschaftlich
gar nicht machbar wäre, eine Agentur in dieser
Größenordnung, die ja gut dasteht, komplett
zurückzukaufen.

Da waren die 2 Prozent von Wolfgang Sasse,
der nicht mehr Geschäftsführender Gesellschafter
sein will, schon leichter zu übernehmen. Warum
geht Sasse?

Knopf: Wolfgang geht ja nicht. Er bleibt weiterhin
Mitarbeiter dieser Agentur - nur eben
nicht mehr als Geschäftsführer und Mitinhaber.
Alle seine Kunden betreut er weiter. Er will aber
einfach etwas mehr Zeit für seine Lehrtätigkeiten
haben. Und ganz ehrlich: Eine Agentur in
unserer Größenordnung braucht keine drei
Geschäftsführer. Deshalb wird der Posten auch
nicht neu besetzt.

Auch nicht mit jemandem, der als Person explizit
für das Thema Online steht? Die Budgets
werden immer mehr in diese Richtung verlagert.
Und KNSK gilt nach wie vor als relativ stark
klassisch geprägte Werbeagentur.

Karpinski: Mir scheint die Verlagerung vor allem
eine Sorge der Medien zu sein. Die reiten
viel mehr auf diesem Thema herum als unsere
Kunden. Und was unser Profil angeht: Wenn es
eine Agentur gibt, die schon immer für das komplett
vernetzte Denken in allen Medien steht,
dann sind wir das. Das ist im Gencode von
KNSK angelegt.

Dennoch stehen Sie weniger für Online-Kreation,
sondern in erster Linie für gut gemachte
klassische Imagekampagnen.

Knopf: Das ist Quatsch. Als wir vor zehn Jahren
für Lucky Strike Internet gemacht haben, neben
einer großen Imagekampagne übrigens, da haben
andere das Netz noch kleingeredet. Wir haben
Kunden wie Herlitz oder das BMU, die zurzeit
zu 90 Prozent im Internet sind. Und das sehr
erfolgreich. Wir hatten bei der Einführung von
Evonik eine durchschnittliche Verweildauer
von 16 Minuten auf der nagelneuen Evonik-Site
erreicht. Nur haben wir nie darüber geredet.

Karpinski: Es stimmt, dass wir schöne Image-
Kampagnen machen. Aber es ist albern, uns in
diese Schublade zu stecken. Die Entwicklung
von Imageauftritten macht vielleicht 10 Prozent
unserer Arbeit aus, der Rest ist was anderes.
Allein mit Imagewerbung könnten wir nicht 120
Leute ernähren.

Wie sehen Sie sich denn selbst?

Karpinski: KNSK ist eine Agentur für Markenver-
ständnis. Wir können mit Marken umgehen.
Dafür gab es nie einen größeren Bedarf als heute.
Das hat auch mit der Diskussion über die
Verlagerung der Budgets zu tun: Man muss immer
sehen, welche Maßnahmen für eine Marke
Sinn ergeben. Meine Empfehlung an die Werbung-
treibenden ist: Konzentriert euch, damit eure Marke
überhaupt noch durchdringt. Je kleiner
die Budgets werden, desto größer ist die Gefahr,
dass man sich verzettelt - und dass eine
Marke quasi von der Bildfläche verschwindet.

Knopf: Das heißt ausdrücklich nicht, dass alles
Geld in TV und Print fließen soll. Es gibt Kunden,
für die ist das Internet genau das richtige
Medium. Aber wir kritisieren, dass einige Kunden
auf zu vielen Hochzeiten tanzen. Nicht zuletzt
deshalb, weil sie von ihren Agenturen so
beraten werden, um viele Mäuler in der Gruppe
stopfen zu können. Die Konsequenz: Die Marken
sind nicht mehr sichtbar.

Ende letzten Jahres haben Sie sich an einer Initiative
beteiligt, den Award-Wahnsinn einzudämmen.
Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?

Karpinski: Ich kann nicht beurteilen, wie sich
die anderen Agenturen verhalten. Wir haben unsere
Aufwendungen deutlich reduziert und halten
uns an die zehn Wettbewerbe, die das "Manager-
Magazin" abbildet. Andere machen das
auch, weil sie sparen müssen. Insofern hat die
Krise sogar etwas Gutes. Die Perversion, die es
gab, ruckelt sich gerade zurecht. Es muss endlich
Schluss sein mit der Devise "Geld schießt
Tore".

Interview: Mehrdad Amirkhizi
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