
Karpinski: Ihr Eindruck täuscht. Wären wir keine
BBDO-Beteiligung, hätten wir nicht den
Chrysler-Etat.
Ein Rückkauf der restlichen Anteile war also nie
ein Thema?
Knopf: Nein, weil es schon rein wirtschaftlich
gar nicht machbar wäre, eine Agentur in dieser
Größenordnung, die ja gut dasteht, komplett
zurückzukaufen.
Da waren die 2 Prozent von Wolfgang Sasse,
der nicht mehr Geschäftsführender Gesellschafter
sein will, schon leichter zu übernehmen. Warum
geht Sasse?
Knopf: Wolfgang geht ja nicht. Er bleibt weiterhin
Mitarbeiter dieser Agentur - nur eben
nicht mehr als Geschäftsführer und Mitinhaber.
Alle seine Kunden betreut er weiter. Er will aber
einfach etwas mehr Zeit für seine Lehrtätigkeiten
haben. Und ganz ehrlich: Eine Agentur in
unserer Größenordnung braucht keine drei
Geschäftsführer. Deshalb wird der Posten auch
nicht neu besetzt.
Auch nicht mit jemandem, der als Person explizit
für das Thema Online steht? Die Budgets
werden immer mehr in diese Richtung verlagert.
Und KNSK gilt nach wie vor als relativ stark
klassisch geprägte Werbeagentur.
Karpinski: Mir scheint die Verlagerung vor allem
eine Sorge der Medien zu sein. Die reiten
viel mehr auf diesem Thema herum als unsere
Kunden. Und was unser Profil angeht: Wenn es
eine Agentur gibt, die schon immer für das komplett
vernetzte Denken in allen Medien steht,
dann sind wir das. Das ist im Gencode von
KNSK angelegt.
Dennoch stehen Sie weniger für Online-Kreation,
sondern in erster Linie für gut gemachte
klassische Imagekampagnen.
Knopf: Das ist Quatsch. Als wir vor zehn Jahren
für Lucky Strike Internet gemacht haben, neben
einer großen Imagekampagne übrigens, da haben
andere das Netz noch kleingeredet. Wir haben
Kunden wie Herlitz oder das BMU, die zurzeit
zu 90 Prozent im Internet sind. Und das sehr
erfolgreich. Wir hatten bei der Einführung von
Evonik eine durchschnittliche Verweildauer
von 16 Minuten auf der nagelneuen Evonik-Site
erreicht. Nur haben wir nie darüber geredet.
Karpinski: Es stimmt, dass wir schöne Image-
Kampagnen machen. Aber es ist albern, uns in
diese Schublade zu stecken. Die Entwicklung
von Imageauftritten macht vielleicht 10 Prozent
unserer Arbeit aus, der Rest ist was anderes.
Allein mit Imagewerbung könnten wir nicht 120
Leute ernähren.
Wie sehen Sie sich denn selbst?
Karpinski: KNSK ist eine Agentur für Markenver-
ständnis. Wir können mit Marken umgehen.
Dafür gab es nie einen größeren Bedarf als heute.
Das hat auch mit der Diskussion über die
Verlagerung der Budgets zu tun: Man muss immer
sehen, welche Maßnahmen für eine Marke
Sinn ergeben. Meine Empfehlung an die Werbung-
treibenden ist: Konzentriert euch, damit eure Marke
überhaupt noch durchdringt. Je kleiner
die Budgets werden, desto größer ist die Gefahr,
dass man sich verzettelt - und dass eine
Marke quasi von der Bildfläche verschwindet.
Knopf: Das heißt ausdrücklich nicht, dass alles
Geld in TV und Print fließen soll. Es gibt Kunden,
für die ist das Internet genau das richtige
Medium. Aber wir kritisieren, dass einige Kunden
auf zu vielen Hochzeiten tanzen. Nicht zuletzt
deshalb, weil sie von ihren Agenturen so
beraten werden, um viele Mäuler in der Gruppe
stopfen zu können. Die Konsequenz: Die Marken
sind nicht mehr sichtbar.
Ende letzten Jahres haben Sie sich an einer Initiative
beteiligt, den Award-Wahnsinn einzudämmen.
Wie zufrieden sind Sie mit dem Ergebnis?
Karpinski: Ich kann nicht beurteilen, wie sich
die anderen Agenturen verhalten. Wir haben unsere
Aufwendungen deutlich reduziert und halten
uns an die zehn Wettbewerbe, die das "Manager-
Magazin" abbildet. Andere machen das
auch, weil sie sparen müssen. Insofern hat die
Krise sogar etwas Gutes. Die Perversion, die es
gab, ruckelt sich gerade zurecht. Es muss endlich
Schluss sein mit der Devise "Geld schießt
Tore".
Interview: Mehrdad Amirkhizi